SoundGuardian Abmahnung erhalten?: 4 Dinge, die Sie tun sollten, wenn Sie ein Schreiben von SoundGuardian erhalten haben

Der Erhalt einer Berechtigungsanfrage oder Zahlungsaufforderung der SoundGuardian GmbH wegen angeblicher Musiknutzung auf TikTok, Instagram oder YouTube ist für viele Betroffene überraschend und verunsichernd. Häufig geht es um eine sogenannte SoundGuardian Abmahnung mit erheblichen Zahlungsforderungen im Wege der Nachlizenzierung.
Entscheidend ist jetzt, ruhig zu bleiben und strukturiert vorzugehen. Die folgenden vier Punkte haben sich in der Praxis bewährt. Dieser Beitrag erläutert strukturierte und rechtlich fundiert, was hinter den SoundGuardian-Schreiben steckt, wie sie rechtlich einzuordnen sind und welche Verteidigungsansätze bestehen.
1. Vier Sofortmaßnahmen bei einer SoundGuardian Abmahnung
1. Zahlen Sie nicht vorschnell und geben Sie keine Zustimmung ab

Auch wenn das Schreiben professionell wirkt und konkrete Fristen nennt:
Eine sofortige Zahlung oder Online Zustimmung kann rechtlich als Anerkennung der Forderung gewertet werden oder zumindest Ihre Verhandlungsposition erheblich schwächen. Die geltend gemachte Lizenzhöhe ist nicht automatisch verbindlich und sollte stets geprüft werden.
2. Halten Sie die Fristen ein – aber reagieren Sie strategisch
Die in den Schreiben gesetzten Fristen sollten ernst genommen, aber nicht unüberlegt genutzt werden. Ein vollständiges Ignorieren kann zu einer Eskalation führen, während eine unkoordinierte Reaktion Risiken birgt. In vielen Fällen ist eine fristwahrende, anwaltlich abgestimmte Antwort der richtige Weg.
3. Sichern Sie Beweise und Informationen
Dokumentieren Sie den Sachverhalt möglichst frühzeitig, insbesondere:
- das betroffene Video (Screenshots, Upload-Datum, Löschdatum),
- Reichweite und Interaktionen,
- die konkrete Nutzung der Musik,
- den Charakter des Accounts (privat/gewerblich),
- ggf. vorhandene Lizenznachweise.
Diese Informationen sind entscheidend für die rechtliche Bewertung – etwa bei Fragen der gewerblichen Nutzung, der Dauer oder der Angemessenheit der Forderung.
Gemeinsam prüfen wir Ihre rechtlichen Möglichkeiten und entwickeln eine strategisch sinnvolle Lösung. Kontaktieren Sie uns gern für eine erste rechtliche Einschätzung unter (0221) 800 676 80.
2. Lassen Sie das Schreiben fachanwaltlich prüfen
SoundGuardian Schreiben enthalten regelmäßig komplexe urheberrechtliche Fragestellungen, insbesondere zur Rechtekette, zur Lizenzanalogie und zur Höhe der Nachlizenzierung.
Eine spezialisierte anwaltliche Prüfung klärt:
- ob die geltend gemachten Rechte tatsächlich bestehen,
- ob die Forderungshöhe angemessen ist,
- ob Einwendungen (z. B. Verjährung, fehlende Gewerblichkeit, Reduzierung) greifen,
- und welche außergerichtliche oder gerichtliche Strategie sinnvoll ist.
In vielen Fällen lassen sich Forderungen deutlich reduzieren oder vollständig abwehren.
3. Was hinter den Forderungsschreiben steckt – und wie Betroffene richtig reagieren
Aktuelles Phänomen: Forderungsschreiben von SoundGuardian nehmen zu

Seit einiger Zeit häufen sich bundesweit Forderungsschreiben und sogenannte „Berechtigungsanfragen“ der SoundGuardian GmbH. Betroffen sind insbesondere:
- Unternehmen
- Selbstständige
- Kosmetik-, Friseur- und Beautysalons
- Influencer und Content Creator
- Social-Media Accounts mit geschäftlichem Bezug
Der Vorwurf ist dabei stets ähnlich:
Die unerlaubte Nutzung einer Tonaufnahme in einem Social-Media-Video, insbesondere auf TikTok, teilweise auch auf Instagram oder YouTube.
Die Schreiben wirken auf den ersten Blick seriös, sind umfangreich begründet und enthalten häufig konkrete Zahlungsforderungen im vier- oder fünfstelligen Bereich. Viele Betroffene sind verunsichert und fragen sich, ob sie zahlen müssen – oder ob es sich um eine unberechtigte Forderung handelt.
4. Wer ist die SoundGuardian GmbH?
Die SoundGuardian GmbH, Sitz Frankfurt am Main, tritt als Rechteverwerter für Tonaufnahmen auf. Nach eigener Darstellung ist SoundGuardian Inhaberin bzw. exklusive Lizenznehmerin von Synchronisationsrechten an bestimmten Musiktiteln.
In den vorliegenden Schreiben beruft sich SoundGuardian insbesondere auf:
- Rechte an Tonaufnahmen (§§ 85 ff. UrhG)
- sogenannte Sync-Rechte für die Verbindung von Musik mit Bewegtbild
- exklusive Durchsetzungsbefugnisse gegenüber Dritten
Die Schreiben enthalten regelmäßig Anlagen, mit denen SoundGuardian ihre Aktivlegitimation belegen will – etwa Verträge mit Musiklabels wie Scorpio Music.
5. Typischer Aufbau einer SoundGuardian Abmahnung
Die aktuell versendeten Schreiben folgen einem weitgehend identischen Muster, das auch im hier ausgewerteten Dokument erkennbar ist:
Überschrift: „Berechtigungsanfrage“
Auffällig ist, dass SoundGuardian die Schreiben nicht ausdrücklich als „Abmahnung“ bezeichnet, sondern als „Nutzung der Tonaufnahme … – Berechtigungsanfrage“ Dies ist rechtlich nicht zufällig:
Durch diese Wortwahl soll der Eindruck entstehen, es handele sich um eine vorgerichtliche, kooperative Klärung, obwohl tatsächlich konkrete Zahlungsansprüche geltend gemacht werden.
Vorwurf der unberechtigten Nutzung
SoundGuardian behauptet, der Empfänger habe:
- einen bestimmten Musiktitel
- in einem Video
- auf einem öffentlich zugänglichen Social-Media-Profil
- zu kommerziellen Zwecken
verwendet, ohne über die erforderlichen Nutzungsrechte zu verfügen.
Im ausgewerteten Schreiben wird konkret auf ein TikTok-Video Bezug genommen, das über mehrere Jahre öffentlich abrufbar gewesen sein soll.

Mehr zur zum Thema Urheberrecht im Internet lesen Sie in diesem Beitrag.
6. Gewerbliche Nutzung – der zentrale rechtliche Streitpunkt
Private vs. kommerzielle Nutzung
Ein Kernpunkt nahezu aller SoundGuardian-Fälle ist die Frage: Handelte es sich um eine gewerbliche Nutzung der Musik?
Denn: Die Musikbibliotheken von TikTok, Instagram & Co. sind in aller Regel nur für private Nutzungen lizenziert. Sobald ein Account geschäftlich genutzt wird, reicht diese Lizenz häufig nicht mehr aus.
Als Indizien für eine gewerbliche Nutzung werden u. a. angeführt:
- Unternehmensname im Profil
- Bewerbung eigener Leistungen
- Verlinkung auf Website oder Buchungsplattform
- Nutzung zur Kundenakquise
- Dauerhafte Präsenz des Videos
Im vorliegenden Schreiben wird ausdrücklich auf den gewerblichen Charakter des Profils abgestellt.
7. Die Forderung: Nachlizenzierung statt klassischer Abmahnung
Lizenzanalogie nach § 97 Abs. 2 UrhG
SoundGuardian stützt die Zahlungsforderung auf das Prinzip der Lizenzanalogie.
Danach schuldet der Verletzer den Betrag, den er hätte zahlen müssen, wenn er vorab eine ordnungsgemäße Lizenz erworben hätte.
Im Schreiben wird ausgeführt, dass die Lizenzhöhe u. a. unter Berücksichtigung folgender Faktoren berechnet wurde:
- Bekanntheit des Künstlers
- Reichweite der Plattform
- Dauer der Nutzung
- Dauer der Musikeinblendung
- Unternehmensgröße
- inhaltliche Verbindung zwischen Musik und beworbenen Leistungen
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt von der konkreten Situation, der Dringlichkeit und den wirtschaftlichen Zielen Ihres Unternehmens ab.
Konkrete Berechnung
Im ausgewerteten Fall fordert SoundGuardian:
- 4.350,00 € zzgl. 7 % Umsatzsteuer
- für einen Nutzungszeitraum von 54 Monaten
- mit gestaffelter Monatsvergütung (300 €/150 €/75 €/25 €)
Diese detaillierte Aufschlüsselung ist typisch für SoundGuardian-Schreiben und soll den Eindruck einer objektiv nachvollziehbaren Berechnung vermitteln.

Weitere Interessante Themen finden Sie auch in unserer Kategorie: Urheber & Verlagsrecht.
8. Annex: Rechtekette und Scorpio-Music Vertrag
Besonders auffällig – und für die rechtliche Bewertung entscheidend – sind die umfangreichen Anlagen, die SoundGuardian beifügt.
Bestätigung von Scorpio Music
Dem Schreiben beigefügt ist ein englischsprachiger Annex mit der Überschrift: „Agreement regarding sync rights of Scorpio Music“
Darin bestätigt Scorpio Music, dass SoundGuardian:
- nicht-exklusive Synchronisationsrechte
- für bestimmte Titel
- auf Social-Media-Plattformen
- in bestimmten Territorien eingeräumt wurden.
Der betroffene Titel („Mi Gente“ von J Balvin & Willy William) ist explizit aufgeführt, mit territorialer Einschränkung auf Europa (ohne Italien und Spanien).
Kritische Punkte der Rechtekette
In der anwaltlichen Praxis ergeben sich hier regelmäßig Ansatzpunkte für Einwendungen, etwa:
- Sind die Rechte zeitlich vollständig abgedeckt?
- Gilt die Vereinbarung bereits für den behaupteten Verletzungszeitraum?
- Umfasst sie tatsächlich kommerzielle Social-Media-Nutzung?
- Besteht eine exklusive Durchsetzungsbefugnis für alle geltend gemachten Ansprüche?
Diese Fragen lassen sich nicht pauschal, sondern nur im Einzelfall beantworten.
9. Keine Unterlassungserklärung – aber dennoch Risiken
Auffällig ist, dass SoundGuardian häufig keine klassische strafbewehrte Unterlassungserklärung verlangt. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass kein Risiko besteht.
Im Gegenteil:
- Die Zahlung soll eine nachträgliche Legalisierung bewirken
- Weitere Ansprüche (Schadensersatz, Auskunft, Unterlassung) werden ausdrücklich vorbehalten
- Das Entfernen des Videos wird nicht als ausreichend bezeichnet SoundGuardian
10. Warum man keinesfalls vorschnell zahlen sollte
Kein automatisches Schuldanerkenntnis – aber faktische Bindung
Eine Zahlung kann zwar rechtlich unterschiedlich zu bewerten sein, führt aber faktisch häufig dazu, dass:
- die Rechtsposition des Betroffenen geschwächt wird
- weitere Forderungen erschwert abgewehrt werden können
- Vergleichs- oder Reduktionsspielräume verloren gehen
Angemessenheit der Lizenzhöhe ist überprüfbar
Die angesetzten Beträge sind nicht gesetzlich festgelegt. In vielen Fällen bestehen gute Argumente dafür, dass:
- der Zeitraum zu lang angesetzt wurde
- die Reichweite überschätzt wird
- der gewerbliche Charakter nicht eindeutig ist
- die Vergleichslizenzen nicht marktüblich sind
11. Typische Verteidigungsansätze in SoundGuardian-Fällen
In der anwaltlichen Praxis kommen u. a. folgende Ansatzpunkte in Betracht:
- Bestreiten der Aktivlegitimation
- Bestreiten der gewerblichen Nutzung
- Einwand der Unverhältnismäßigkeit der Lizenzhöhe
- Einwand der Verjährung für ältere Zeiträume
- Reduzierung auf eine deutlich geringere Vergleichslizenz
Gerade bei mehrjährigen Nutzungszeiträumen ist die Frage der Verjährung regelmäßig ein zentrales Thema.
12. Fristen ernst nehmen – aber strategisch reagieren
SoundGuardian setzt regelmäßig konkrete Fristen zur Stellungnahme und Zahlung. Diese sollten keinesfalls ignoriert werden.
Empfehlenswert ist jedoch:
- keine direkte Kontaktaufnahme ohne anwaltliche Beratung
- keine Zustimmung über die SoundGuardian-Website
- keine Zahlung ohne rechtliche Prüfung
13. Prävention: Wie Unternehmen SoundGuardian-Probleme vermeiden können
Unternehmen und Selbstständige sollten ihre Social-Media-Strategie kritisch prüfen:
- Keine Nutzung populärer Musik in gewerblichen Videos ohne klare Lizenz
- Einsatz lizenzfreier Musik oder eigener Tonspuren
- Klare Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Accounts
- Dokumentation erworbener Nutzungsrechte
14. Fazit
Forderungsschreiben der SoundGuardian GmbH sind kein bloßer Spam, aber auch keine automatisch berechtigten Zahlungsansprüche. Sie bewegen sich in einem rechtlich anspruchsvollen Bereich zwischen Urheberrecht, Lizenzanalogie und Plattformlizenzen.
Betroffene sollten die Schreiben ernst nehmen, aber keinesfalls unüberlegt handeln.
Eine strukturierte anwaltliche Prüfung eröffnet in vielen Fällen erhebliche Reduzierungs- oder Abwehrmöglichkeiten.
Unterstützung durch unsere Kanzlei
Unsere Kanzlei berät regelmäßig Mandanten zu SoundGuardian-Forderungen, Abmahnungen wegen Musiknutzung und Social-Media-Urheberrecht.
Wir prüfen:
- die Berechtigung der Ansprüche
- die Höhe der Forderung
- mögliche Verteidigungs- und Vergleichsstrategien
und vertreten Ihre Interessen außergerichtlich und gerichtlich.
15. FAQ zur SoundGuardian Abmahnung
Muss ich eine SoundGuardian Abmahnung sofort bezahlen?
Nein. Eine SoundGuardian-Abmahnung oder Berechtigungsanfrage bedeutet nicht automatisch, dass die geforderte Summe berechtigt ist. Vor einer Zahlung sollte geprüft werden, ob tatsächlich eine gewerbliche Nutzung vorliegt, ob die Rechtekette schlüssig ist und ob die Höhe der Nachlizenzierung angemessen berechnet wurde.
Ist eine „Berechtigungsanfrage“ von SoundGuardian überhaupt eine Abmahnung?
Auch wenn SoundGuardian den Begriff „Abmahnung“ häufig vermeidet, können solche Schreiben rechtlich Abmahncharakter haben, wenn konkrete Zahlungsansprüche geltend gemacht werden. Entscheidend ist nicht die Überschrift, sondern der Inhalt des Schreibens.
Reicht es aus, das TikTok- oder Instagram Video zu löschen?
Das Löschen des Videos kann sinnvoll sein, beseitigt jedoch nicht automatisch bereits geltend gemachte Zahlungsansprüche. Schadensersatz- oder Nachlizenzierungsforderungen können auch für die Vergangenheit bestehen bleiben. Eine strategische Prüfung ist daher ratsam.
Wann gilt Musiknutzung auf Social Media als gewerblich?
Eine gewerbliche Nutzung liegt regelmäßig vor, wenn ein Social-Media-Account geschäftlich eingesetzt wird, etwa zur Bewerbung eigener Leistungen oder Produkte. Indizien können ein Unternehmensname im Profil, Verlinkungen auf eine Website oder eine klare Marketingausrichtung sein. Ob tatsächlich eine gewerbliche Nutzung vorliegt, ist stets im Einzelfall zu prüfen.
Wie wird die Höhe der SoundGuardian-Forderung berechnet?
SoundGuardian stützt sich in der Regel auf die sogenannte Lizenzanalogie gemäß § 97 Abs. 2 UrhG. Maßgeblich ist der Betrag, der bei ordnungsgemäßer Lizenzierung angefallen wäre. Faktoren wie Reichweite, Dauer der Nutzung, Bekanntheit des Musiktitels und Unternehmensgröße fließen häufig in die Berechnung ein. Die Angemessenheit dieser Berechnung ist jedoch überprüfbar.
Kann eine SoundGuardian-Forderung verjähren?
Ja. Für urheberrechtliche Schadensersatzansprüche gilt grundsätzlich die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren. Bei mehrjährigen Nutzungszeiträumen kann daher die Verjährung einzelner Zeitabschnitte eine Rolle spielen.
Bildquellennachweis: KI | ChatGPT.com






